Das Stolpersteinprojekt

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ 

Die Zeit des Nationalsozialismus war eine Zeit vieler grausamer Schicksalsschläge.  

Ob Juden, Zigeuner, politisch Verfolgte, Homosexuelle, die Zeugen Jehovas oder auch die Euthanasieopfer – an sie alle wollte der Künstler Gunter Demnig erinnern. Seine Idee setzte er in Form von kleinen Gedenktafeln aus Messing um, die er in den Gehweg einlässt. 

Die sogenannten „Stolpersteine“ werden jeweils am letzten freigewählten Wohnort der besagten Opfer verlegt, bevor sie ihr furchtbares Schicksal einholte. Doch bis es zu solch einer Verlegung kommt, ist es ein langer Weg mit viel Recherche und Arbeit. Die 9. Klasse unserer Schule hat diesen Weg bereits hinter sich. Gemeinsam mit dem Leipziger Verein Erich-Zeigner-Haus versuchten wir im Geschichtsunterricht die Vergangenheit einer verstorbenen Jüdin namens Marie Mindel zu rekonstruieren. Unser Ziel war es, Informationen über ihre Identität und Biografie herauszusuchen. Mit Erfolg! Im Zuge unserer Recherche fanden wir heraus, dass die gebürtige Polin am 19.11.1892 in Kalisch das Licht der Welt erblickte. 1935 zog sie nach Naunhof, um dort ihr Leben mit ihrem Mann zu verbringen, bevor sich ihr Leben schlagartig änderte. Als Volljüdin lebte sie in der Zeit des Nationalsozialismus sehr gefährlich. Zunächst trennte sich ihr Mann von ihr, um sich selbst zu schützen. Wegen „Beleidigung deutschblütiger Frauen“ wurde sie ab dem 20. November 1940 mehrfach verhaftet, bis sie schließlich in ein Frauenkonzentrationslager in Ravensbrück deportiert wurde. Durch die unmenschlichen, grausamen Bedingungen dort, verstarb sie am 12. Mai 1942 an Nierenversagen mit Harnvergiftung.  

Doch nicht nur Recherche war Teil unseres Projektes, sondern auch spannende Ausflüge.  

So besuchten wir zum Beispiel das Staatsarchiv in Leipzig, um mehr über die Archivierung von Unterlagen zu erfahren. Bei unserer Besichtigung einer Synagoge und eines jüdischen Friedhofs tauchten wir noch einmal tiefer in das Judentum ein. Da wir für die Verlegung des Stolpersteins noch Geld benötigten, sammelten wir Spenden in ganz Naunhof und Umgebung, bis wir schließlich die benötigten 550 € zusammen hatten.  

Ein Anliegen war es uns außerdem, den Künstler Gunter Demning einmal näher kennenzulernen und ihm unsere Fragen zu stellen. Dafür luden wir ihm zu einem öffentlichen Vortrag im Bürgersaal ein. Am Vorabend der Verlegung, dem 28. Mai, erzählte er uns mehr über seine Person, seine Werke, aber auch über das Stolpersteinprojekt. Nach diesem einzigartigen Erlebnis freuten wir uns umso mehr auf den nächsten Morgen – der Tag der Verlegung unseres Stolpersteins. Um 9 Uhr versammelten wir uns gemeinsam mit Vertretern der Stadt und der LVZ, sowie weiteren Besuchern in der Bahnhofsstraße 19. In dem halbstündigen Programm wurden einige Reden gehalten, die uns und unser Projekt vorstellten. Auch künstlerisch gestalteten wir die Verlegung durch Gesang und ein Gedicht. Mit einer Schweigeminute erinnerten wir noch einmal an die verfolgten Opfer des Nationalsozialismus. Vor allem Toleranz und Respekt gegenüber allen Menschen standen dabei im Vordergrund.  

Doch nicht nur die Schüler der Klasse 9 arbeitete das Schicksal einer verfolgten Jüdin auf, sondern auch Benjamin Jahn und Leonie Gemander der 10. Klasse beschäftigten sich mit dem Stolpersteinprojekt. Sie schrieben im Rahmen ihrer Facharbeit alle theoretischen Informationen nieder.  

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei allen Sponsoren und Unterstützern bedanken, durch die es ermöglicht wurde, unser Projekt zu finanzieren. Auch der Stadt Naunhof danken wir, für die zugesicherte Unterstützung, um Projekte wie das Stolpersteinprojekt weiterzuführen. Doch vor allem natürlich Henry Lewkowitz, sowie Frau Behzad, die uns die Möglichkeit boten, die Zeit des Nationalsozialismus, aber auch die Judenverfolgung, auf eine ganz besondere Art kennenzulernen. Durch das Recherchieren für unseren Stolperstein wurde uns noch einmal mehr bewusst, welch tragische Erlebnisse die Verfolgten hinter sich haben und dass sich diese grausamen, unmenschlichen Taten niemals wiederholen sollten! Auch wenn dieser Teil der Geschichte durch nichts wiedergutzumachen ist, trugen wir ein Stück dazu bei, zu erinnern, denn  

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“  

Emilia Wernicke 

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