Eine Entdeckungsreise durch Naunhof

In der Woche vor Ostern haben die Schüler des Freien Gymnasiums in einer Projektwoche Naunhof erkundet. Jeden Tag wartete eine neue spannende Facette des Ortes darauf, entdeckt zu werden. Es wurde die Lebensqualität Naunhofs durch Befragungen und Kartierung erkundet, ortsansässiges Handwerk bestaunt, eine Reise in die Vergangenheit der Baumwollspinnerei unternommen und gewandert, gegessen, gelacht und gespielt. Die Schüler berichten selber:

Am Montag haben wir im Rahmen des Geografie Unterrichts, Kartierungen und Wegbeschreibungen erstellt, sowie mit Bürgern Interviews geführt. Wir wurden in Gruppen eingeteilt und bekamen ein bestimmtes Gebiet zugeteilt. Als wir alle Daten zusammen hatten, haben wir noch die Häuser fotografiert, gezeichnet und die Befragungen mit Hilfe von Diagrammen ausgewertet. Dann sollte das Ganze auf ein Plakat gebracht werden, wozu aber die Zeit nicht mehr reichte. Unsere Gruppe Melanie, Nadine und ich haben in den Ferien das Plakat beendet. Der Tag war schön, aber auch anstrengend und für manche auch sehr stressig, für andere locker und angenehm. Wir haben unseren Mathelehrer getroffen, der uns unsere Fragen gerne beantwortete. Das Interview im Blumenladen war besonders interessant. (Michelle-Noreen Zaunick)

Am Dienstag wurden 2 Experten befragt, das waren Arbeiter in der ehemaligen Baumwollspinnerei, die bis zur Wende auf dem Gelände war, wo nun die neue Feuerwache ist und unser Gymnasium entsteht. Herr Knoof, der ehemalige Werkleiter, und Frau Mitzkat erzählten uns, wie damals gearbeitet, aber auch gefeiert wurde. Der Betrieb hatte eine lange Geschichte von über 100 Jahren, mit vielen Veränderungen, die ich nicht alle aufzählen kann. Er war der größte Arbeitgeber in der Umgebung von Naunhof und beschäftigte schon im ersten Jahr 70 Mitarbeiter und nach 10 Jahren schon 200. Damals wurden 10 Stunden am Tag gearbeitet von Montag bis Sonnabend. Nur Sonntag war frei. Während des zweiten Weltkrieges wurden mit bis zu 800 Mitarbeitern Garne für Uniformen für die Soldaten hergestellt. Nach dem Krieg wurde der Betrieb zu einem VEB umgewandelt. VEB heißt volkseigener Betrieb. Die Arbeiter kamen nicht nur aus Naunhof, sondern auch aus Grimma und der Umgebung. Um alle Arbeiter zum Betrieb zu bringen fuhren Schichtbusse. Es wurde in drei Schichten gearbeitet, damit der Betrieb ununterbrochen weitergehen konnte. Es war ein ziemlich großer Betrieb mit zuletzt über 600 Mitarbeitern. Der größte Teil der Arbeiter waren Frauen. Damit diese arbeiten konnten, wurde ein Betriebskindergarten gebaut und damit die Frauen gesund blieben hat Frau Mitzkat einen Betriebssportverein gegründet. Der schönste Tag für die Frauen war immer der Frauentag am   8. März, da wurde gefeiert und getanzt. Besonders fleißige Frauen bekamen eine Auszeichnung. Damit alle Frauen auch zur Feier kommen konnten wurden extra Busse eingesetzt, die die Frauen abholten und auch wieder nach Hause brachten. Ich fand es toll, als wir den Weberknoten lernen und auch ausprobieren durften. Sehr schön fand ich, als sie uns erklärt hat wie aus der Baumwolle (Flocke) ein Garn wird und daraus Stoff gewebt wird. (Michelle-Noreen Zaunick) Übrigens war die Klasse auch biografisch am Thema ganz nah dran: Benjamin Jahn und Lucas Buchheim haben jeder eine Großmutter, die in der Baumwollspinnerei gearbeitet haben.

Am Mittwoch besuchten wir die Bäckerei Schramm in der Langen Straße. Dort haben wir gesehen wie der Teig hergestellt wird. Je nachdem was gebacken werden soll kommen verschiedene Zutaten in den Teig. Der Teig muss gut durchgeknetet werden. Herr Schramm ist ein „Einzelbäcker“, er bäckt alles selbst und bedient auch seine Kunden. Da kann es mal passieren, dass etwas anbrennt. Es gibt viele technische Geräte, die mit einen Ton melden, wenn sie fertig sind, aber wenn der Laden voll ist, kann es vorkommen, dass er das Signal nicht hört.

Am Nachmittag waren wir dann in Erdmannshain beim Heimatverein. Dort haben wir uns die Kirche angesehen. Die Kirche ist eine Radfahrerkirche, weil ein Radweg an der Kirche vorbeigeht. In der Scheune vom Heimatsverein haben wir Flammkuchen gebacken und auch verputzt. Knüppelkuchen haben wir auch gemacht und gegessen. Das Wetter war nicht sehr toll aber trotzdem war es schön dort. Uns wurden alte Gerätschaften die auf dem Feld benötigt wurden gezeigt und auch erklärt. (Michelle-Noreen Zaunick)

Am Donnerstag den 05.04.12 ging unsere Klasse nach einem gemütlichen, gemeinsamen Osterfrühstück in die Tischlerei und Glaserei Fritzsche. Herr Burchert begleitete unseren Projekttag. Den Betrieb gibt es seit 1920 in Naunhof. Herr Fritzsche, der Chef der Tischler und Glaserei, führte uns durch die Werkstatt und erklärte unserer Klasse viele Maschinen. Wir lernten die Kreissäge, Fräsmaschine, Schleifmaschine, und den Hobel kennen. Herr Fritzsche zeigte uns an einem schiefen krummen Brett, wie die Maschinen funktionieren. Als erstes schnitt er das Brett auf der Kreissäge in Form, dann glättete die Hobelmaschine das Brett. Es war zwar glatt aber immer noch schief und krumm. Das Brett wurde an einer weiteren Maschine bearbeitet, deren Namen ich vergessen habe. Herr Fritzsche sägte an der Kreissäge aus dem Holzbrett für jedes Kind ein Drachenviereck. Jeder Schüler musste es glatt schleifen. Alle bekamen ein Stück Schleifpapier in die Hand und versuchten das Drachenviereck glatt zu schleifen, das war sehr sehr anstrengend! Herr Burchert hat mir geholfen die schwarzen Stellen weg zu Schleifen. Dann bohrte Herr Fritzsche mit dem Standbohrer in jedes Drachenviereck ein Loch für ein Teelicht. Jetzt hatte jeder Schüler einen sehr schönen selbst gemachten Kerzenständer. Ich freute mich sehr, juhu der Kerzenständer war ein super Ostergeschenk für meine Eltern. Als wir fertig waren sagte Herr Burchert: ,, Herr Fritzsche ist einer der wenigen Tischler die noch alle zehn Finger haben!“ (Nicole Krischok)

Ich habe nicht gewusst, dass man Mathekenntnisse braucht, um Schreiner zu werden, und dass es beim Holzsägen auf Millimeterarbeit ankommt. Der Schreiner hat uns erzählt, dass seine Maschinen sehr viel Geld kosten und dass die Leute früher einen Tag für eine Holzlatte gebraucht haben. Es hat mit gut gefallen, aber wir mussten sehr viel stehen. Ich würde trotzdem kein Schreiner werden, weil ich Angst um meine Finger habe. (Johannes Richter)

Später haben wir noch für unser spanisches Theaterstück geübt, bevor es dann in die verdienten Osterferien ging.

Ein herzlicher Dank an alle Personen, die uns geholfen haben, diese Woche spannend und lehrreich zu gestalten: Herr Knoof, Frau Mitzkat, Bäckerei Schramm, Tischlerei Fritzsche, Heimatverein Erdmannshain und ganz besonders Herr Burchert !

 

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